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Dopamin

Januar 2026 | Hypnose

Zu viel Vergnügen tut am Ende weh.

Kennst du das: Du willst kurz abschalten – und plötzlich ist eine Stunde weg?

Heute erzähle ich dir von einem Buch, das ich kürzlich gelesen habe: «Die Dopamin Nation» von Anna Lembke. Sie hat sowohl ein Sachbuch als auch ein Arbeitsbuch verfasst. Ich habe mich für das Arbeitsbuch entschieden.

Anna Lembke beschreibt darin, dass wir süchtig machende Verhaltensweisen oder Substanzen oft nutzen, um Freude zu empfinden oder ein Problem zu lösen. Was dabei häufig geschieht: Diese Strategien machen unsere Probleme langfristig grösser, statt sie zu lindern.

Kurz abschalten, lange drin

Ein Beispiel: Jemand scrollt durch Social Media, um zu entspannen und abzuschalten. Lustige Videos, interessante Beiträge – das fühlt sich gut an. Klingt harmlos, oder?

Das Gehirn passt sich an

Das Problem ist: Unser Gehirn passt sich dieser Stimulation an. Geschieht dieses Verhalten häufig, braucht es mit der Zeit immer stärkere Reize, um die gleichen Glücksgefühle zu erzeugen. Anna Lembke nennt diesen Prozess neuronale Anpassung (Neuroadaption).

Unser Gehirn strebt stets nach einer Homöostase, also nach Gleichgewicht. Du kannst dir das wie eine Waage vorstellen: Auf der einen Seite liegt der Genuss, auf der anderen der Schmerz.

Die Rechnung kommt später

Ein Rausch – zum Beispiel durch Alkohol – macht diesen Mechanismus gut sichtbar. Am Abend fühlt sich der Alkoholkonsum nach Freude und Leichtigkeit an. Am nächsten Morgen folgt die Ernüchterung: Kopfschmerzen, Müdigkeit, ein Kater. Der Schmerz.

Süchtiges Verhalten kann jedoch auch mit vermeintlich «gesunden» Dingen entstehen: übermässig gesundes Essen oder exzessiven Sport oder ständiges Leistungsstreben. Das süchtige Gehirn will die Genussmomente immer wieder erleben, also braucht es erneut den Reiz oder die Substanz, um dieses Gefühl zu erzeugen.

Der Wendepunkt

Stell dir nun kleine Kobolde vor, die sich auf der Schmerzseite der Waage einnisten. Je mehr du deine «Droge» konsumierst, desto mehr vermehren sie sich und drücken die Waagschale kontinuierlich nach unten.

Ab einem gewissen Punkt konsumieren wir nicht mehr, um uns gut zu fühlen, sondern nur noch, um uns nicht schlecht zu fühlen.

Eine weitere Folge: Wir können uns an kleinen Dingen kaum noch erfreuen, weil der Reiz zu gering ist, um Dopamin auszuschütten. Mögliche Symptome sind Angst, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, depressive Verstimmungen und starkes Verlangen.

Solange die Kobolde auf der Schmerzseite wohnen, kann kein Gleichgewicht im Dopaminsystem entstehen. In diesem Zustand kommt es oft zu Suchtverlagerungen:

  • Statt Alkohol wird Cannabis konsumiert.
  • Statt extrem gesund zu essen, wird übermässig Sport getrieben.
  • Statt Social Media wird exzessiv gegamt.

Die «Droge» lediglich zu reduzieren reicht in der Regel nicht aus, um das Belohnungssystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Der 4-Wochen-Entzug

Was können wir also tun? Die «Droge» muss konsequent gemieden werden – für vier Wochen. Solange braucht das Gehirn, um die Kobolde zu zwingen, ihr Quartier zu verlassen.

Alles, was unter diesen vier Wochen liegt, bringt meist keine nachhaltige Veränderung: keine echte Erholung, keine Entspannung, kein Gleichgewicht.

Wichtig zu wissen: Die ersten 10 bis 14 Tage können sehr herausfordernd sein. Das Gehirn befindet sich im Entzug und der Schmerz sowie der innere Stress werden intensiv spürbar.

Es wird besser

Wenn du gerade denkst: «Das schaffe ich nie» – genau das ist in dieser Phase normal. Danach wird es merklich leichter, weil sich zunehmend auch die positiven Effekte der Abstinenz zeigen.

Nach vier Wochen ist das Gleichgewicht in der Regel wiederhergestellt – die Kobolde sind ausgezogen. Wird das Verhalten danach nicht bewusst verändert, kehren sie jedoch oft schnell zurück und der Kreislauf beginnt von vorne.

Hast du so etwas schon einmal erlebt?

Frustrierend und extrem energieraubend, oder?

So bleibst du stabil

Wie gerätst du nicht erneut in diesen Teufelskreis?

Durch den Entzug hast du dein Belohnungssystem sozusagen auf Reset gesetzt. Die meisten Menschen wünschen sich danach keinen vollständigen Verzicht, sondern einen gesunden Umgang mit ihrer «Droge».

Dafür braucht es klare Rahmenbedingungen:

  • Erschwere dir den Zugang zu deiner «Droge».
  • Setze dir bewusst Limits.
  • Lass dein Verhalten gegebenenfalls von jemandem überprüfen.
  • Meide Orte oder Umgebungen, die dich stark triggern.

Allein mit Willenskraft ist eine Verhaltensänderung sehr anstrengend und langfristig oft kaum durchzuhalten. Hypnose kann dich während oder nach der Abstinenz unterstützend begleiten, indem du deinem Unterbewusstsein klar vermittelst, wie du künftig mit deiner «Droge» umgehen möchtest.

Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, melde dich gerne bei mir.

Dein 10-Punkte-Plan

  1. Gestehe dir ein, dass du ein Problem hast. Sei radikal ehrlich zu dir, und lasse die Gefühle zu, die auftauchen.
  2. Erstelle eine Liste mit den Vor- und Nachteilen deiner «Droge».
  3. Lege ein klares Datum für deinen Entzug fest.
  4. Überlege dir, was du in der Zeit, in der du sonst konsumiert hättest, stattdessen tun kannst.
  5. Schaffe dir nach dem Entzug einen stabilen äusseren Rahmen und einen konkreten Plan für den zukünftigen Umgang mit deiner «Droge».
  6. Richte deinen Fokus auf deine Werte: Was ist dir wichtig? Warum möchtest du dein Verhalten ändern? Was gewinnst du dadurch?
  7. Halte Langeweile aus. Heisse sie willkommen und sei neugierig, was daraus entsteht.
  8. Versuche Stressoren und Trigger bewusst zu vermeiden.
  9. Lebe im Einklang mit deinen Werten und Zielen. Geniesse deine «Droge» und geniesse ebenso die Zeiten, in denen sie keine Rolle spielt.
  10. Passe dein Verhalten immer wieder achtsam an, wo es nötig ist.

Das Buch hat mich sehr beeindruckt und mir ein tieferes Verständnis vermittelt, wie unser Gehirn funktioniert. In einer Gesellschaft, die im Überfluss lebt, zeigt sich Dopaminsucht als eine Kehrseite davon. Ich denke, es geht darum, uns wieder auf das Wesentliche zu besinnen – aufmerksamer, langsamer, weniger. Daran können wir uns orientieren.

Welche «Droge» führt dich gerade am meisten? Ich wünsche dir ein gesundes Gleichgewicht zwischen Vergnügen, Regeneration und freien Räumen.

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